Über mich

Brigitte von der Eltz

  • 1951

in Essen geboren

  • 2010 –  2013

Studium der Malerei und Grafik am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie (IBKK) in Bochum

  • 2013 – 2014

Meisterklasse bei Prof. Dr. Qi Yang

  • 2014

Meisterklasse Thorsten Lehmann

  • 2017

Meisterprüfung

  • seit  2008

Mitglied in der freien Aktmalgruppe in Essen-Borbeck

  • seit 2011

Teilnahme an der Fachfortbildung Aktzeichnen im „IBKK“ bei Era Freidzon und bei Prof. Piotr Sonnewend ,Ölmalerei bei Prof. Wlodomierz Lajming in Ölmalerei, verschiedene Workshops, Seminare und Kurse bei namhaften Künstlern

  • seit 2010

Mitglied im Bund internationaler Künstler“ BIK

  • seit 2008

wiederholte Teilnahme an der“ Kunstspur“ der Stadt Essen

Die Vielfalt der Linie

Ausgehend von gegenständlicher Malerei widmet sich Brigitte von der Eltz seit einigen Jahren schwerpunktmäßig einer nichtfigürlichen Malerei, die fast vollständig auf erkennbare Motive verzichtet. Fließende Formen und ausdrucksstarke subtile Farben ziehen mit zahlreichen Bewegungen über die Malfläche, die Erinnerungen an Bilder des Informel hervorrufen – in der Tat hat sich die Künstlerin u.a. mit Werken von Karl O. Götz und Joan Mitchell beschäftigt.

In besonderem Maße basieren die Arbeiten der in Essen lebenden und arbeitenden Künstlerin auf dem Gestaltungsmittel der Linie. Genauere Beobachtungen und Naturstudien haben zu diesem Thema geführt. Äste, Wurzeln, Algen oder Blüten sind in ihren unterschiedlichen linearen Eigenschaften wichtige Inspirationen für neue Kompositionen auf der Fläche.

In ihrer künstlerischen Ausbildung und der gestalterischen Umsetzung der Linie hat sich Brigitte von der Eltz eingehend mit kunsttheoretischen Aspekten moderner Künstler wie z. B. Wassily Kandinsky und Paul Klee auseinandergesetzt, in deren Werken und Texten die zunehmende Verselbstständigung und der Eigenwert der Linie maßgeblich vorbereitet wurde. Auf dieser Grundlage entstehen bei Brigitte von der Eltz komplexe intuitive Kompositionen, die zahlreiche Bewegungen und Rhythmen auf der Malfläche initiieren. Während des Entstehungsprozesses eines Bildes verwandeln sich Linien und Farben und führen einerseits zu einem Ausgleich verschiedener Richtungen, Breitenausdehnungen und Intensitäten und andererseits zu komplexen Raumwirkungen.

In den Acrylbildern finden sich Linien, die in ihrem Verlauf mit Überschneidungen Vernetzungen über der Fläche konstituieren. Die Linien entwickeln eine selbstständige Aktivität und offenbaren mit oft changierenden Farben stark räumlich wirkende Partien. Die Bildfläche wird somit zu einem eigenständigen Bildorganismus. Das Auge des Betrachters bleibt ständig in Bewegung und vollzieht den Bildentstehungsprozess visuell rhythmisch nach.

Die Künstlerin arbeitet mit einer Vielzahl von Techniken: Pastellbilder, Bleistift- und Tuschezeichnungen entstehen parallel zu Acrylgemälden und Collagen. Häufig kombiniert sie verschiedene Techniken und Materialien wie in der Serie Aufleuchten aus dem Jahr 2016 miteinander. Auf Büttenpapier, beklebt mit Wellpappen, Fotografien und verschiedenfarbige Folien, entsteht unter Einsatz von Bleistiftschraffuren ein lebendiges Spiel der verschiedenen Oberflächen. Die daraus resultierende haptische Wirkung wird durch zahlreiche Pinselstriche in warmen Farben wie Rot, Orange und Violett zusätzlich gesteigert.

Farben, Flächen, Linien und räumliche Elemente sind in vielen Bewegungen miteinander verwoben. Das Spiel von Farbe und Form erzeugt als Grundgedanke Lebendigkeit und gleichzeitig eine harmonische Einheit der Linien, Formen und Farben.

2017 entstand anlässlich ihrer Meisterarbeit eine Wandinstallation, bei der aus unzählige Bändern und Schnüren, die ursprünglich als Verpackungsmaterial dienten, freie fantasievolle Gebilde zusammengenäht wurden. Mit der Anbringung an die Wandfläche und sorgfältig platzierten Lichtquellen ergibt sich ein raumgreifendes Gespinst, das ein geheimnisvolles Netz komponierter Gebilde und deren überraschenden Schattenformen entwickelt. Die Linienelemente der früheren Gemälde und Zeichnungen springen hier faktisch in die dritte Dimension des Raumes. Es bilden sich wabenähnliche Verspannungen vor der  gesamten Wandfläche, die sowohl offene als auch geschlossene Formgebilde präsentieren. Mit diesem Spiel der Ambivalenz und immateriellen Schattenwirkung besitzt die Installation neben Transparenz und Leichtigkeit ein poetisches Element.

Schließlich transformiert Brigitte von der Eltz die Bänder wiederum vollständig in Malerei: bewegte, verschlungene und sich überschneidende Linienbündel entfalten mit ihren kaum abschließbaren Bewegungen neue, freie, poetisch anmutende und energiegeladene Variationen.

Das Thema bietet eine unendliche Fülle „linearer Definitionen“, die Gegensätze wie Ruhe und Bewegung, Leere und Verdichtung, Konzentration und Offenheit in einem Spannungsverhältnis halten – ein Thema mit unerschöpflicher Varietät.

Dr. Hella Nocke-Schrepper

Februar 2018